Recap: Social Media Conference Hamburg 2011

Konferenzen, Workshops und Seminare rund um das Thema Social Media im Allgemeinen und Facebook im Besonderen schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Nahezu täglich landen entsprechende Einladungen und Konferenzprogramme im Briefkasten oder im E-Mail Postfach.

Diese Woche wartete die Neue Mediengesellschaft Ulm samt Medienpartner IWB gleich mit einer Reihe hochkarätiger Referenten im Hamburger Hotel Atlantic auf. Rund 400 Teilnehmer folgten der Einladung. Laut Programm mit einer begleitenden Fachausstellung. Diese wurde dann doch eher schlank gehalten.

Highlights waren #amendedestages zweifellos die Vorträge von Frank Dopheide, Gesellschafter Deutsche Markenarbeit über „Markensteuerung in den unendlichen Weiten des Internets“ und von RA Christian Solmecke über die „Rechtlichen Fallstricke in Sozialen Netzen“ neben den Präsentationen von Otto und dem priceotel über ihre Praxiserfahrungen.

Insgesamt war das Niveau der Vorträge und der Redner gut durchmischt. Vorbildlich war hier Torsten Panzer, der eine Antwort auf sein Vortragsthema:  „Warum Word of Mouth der ‚Treibstoff’ für Social Media ist“ schuldig blieb – jedoch im Anschluss via Twitter Besserung gelobte.

Markenführung im Internet
„Menschen von heute kaufen keine Marken mehr – sie schliessen sich ihr an“, war eine der Kernaussagen von Dopheide. Er beleuchtete, wie Social Media den Weg von Markenaufbau bis Markenpflege in Teilen umkehrt und heute neue Mechanismen greifen. Wichtig bei allen Social Media Aktivitäten ist ein starker Markenkern, und eine Markenstrategie, die durch die Aktivitäten auf  Facebook und Co. gestützt wird. Social Media ist kein Selbstzweck, sondern muss auf die Marke einzahlen.

Rechliche Fallstricke
Angst und Schrecken verbreitete genüsslich der Fachmann in Fragen des Onlinerechts: Christian Solmecke führte kurzweilig durch die rechtlichen Hürden die Facebook, Youtube und Co. den Werbetreibenden bieten. Gegenüber der inzwischen gängigen Praxis der Personalabteilungen, die Facebook Profile von Bewerbern zu scannen, hat er starke rechtliche Bedenken. Ebenso sieht er die Einbindung von Facebook Like-Buttons unter datenschutzrechtlichen Aspekten kritisch und bietet dazu werbewirksam eine Vorlage zum Einbau in die Webseiten-AGBs auf der Webseite seiner Kanzlei an.
Man kann nur hoffen, dass jetzt nicht ein weiterer Abmahnanwalt ein neues Geschäftsmodell sieht.

Datenschutz im Facebook Zeitalter
Spätestens mit der Diskussion um Google Streetview ist es wieder hochgespült worden: personenbezogene Daten sind kein Allgemeingut. „Datenschutz ist mir egal“, so jedoch der Tenor von Max Hoffmann-Dose, in den Mitzwanzigern stehender GF von Nodes und praktizierender Facebook-Fan.  Zeichnet sich hier ein Generationenkonflikt ab? Auf jeden Fall setzt langsam ein Gewöhnungseffekt ein: Je mehr gefacebooked, getwittert und über Facebook, Foursquare oder Gowalla gelocationbasedserviced wird, desto mehr scheint die Angst der Nutzer um die eigenen Daten in den Hintergrund zu treten.

Beispiele aus der Unternehmenspraxis
Die Praxisbeispiel von BMW über Clanmo bis Ritter Sport waren nett vorgetragen. Es waren tolle Praxisbeispiele dabei – handfeste Informationen zu Strategie, KPIs oder Messung der Zielerreichung blieben jedoch eher unter sich. Insgesamt zeigt sich auch hier immer noch ein eher strategiebefreites Vorgehen in Sachen Social Media. Aussagen zu Budgets hat zwar sicherlich niemand ernsthaft erwartet – allerdings war so der Nutzwert insgesamt überschaubar. Konkretere Einblicke lieferten hier neben CinemaxX die Referenten von Otto und dem priceotel.

Der Hotelier Marco Nussbaum hatte anschauliche  Einblicke in das sehr wirkungsvolle Social Media Engagement eines kleineren Marktteilnehmers im Gepäck. Denn Social Media funktioniert durchaus auch mit kleineren Budgettöpfen.

Nach Monitoring des Feedbacks seiner Gäste, richtete er beispielsweise einen Koffer-Raum im priceotel ein, der bis dato vermisst worden war. Schon gab es zusätzliche positive Bewertungen. Anschaulich auch der Einsatz von Videos zur Kommunikation. Die von BMW-Referent Tino Kuehnel genannten drei Faktoren zum Erfolg von Spots – Idee, Seedingstrategie und Glück – waren hier wohl beherzigt worden.

Otto lieferte Hintergrundinfos zu seinem Modelcontest in Facebook. Die Facebook-Zahlen verdoppelten sich nahezu. Allerdings war die Mehrzahl der neugewonnen Fans mehr am Thema Contest denn am Thema Otto interessiert. Mit Auswirkungen auf Tonalität und Inhalte der Fanposts auf der Pinnwand. Interessant waren hier die Organisation von Redaktion und Monitoring unter dem Dach der Schwerpunktthemen   Customer Care, Social Commerce, Branding, Corporate Social Resposibility und Human Resources.

Ein Beispiel aus dem B2B-Bereich lieferte zum Abschluss BASF. Was von den Teilnehmern positiv aufgenommen wurde – jedoch wenig praktischen Mehrwert für die Vertreter der KMUs bot.

Fazit
Die Vorträge blieben – bis auf die vorgenannten – eher an der Oberfläche und waren daher für Einsteiger sehr gut geeignet. Dem Thema Social Media Monitoring wurde dabei nicht der Raum eingeräumt, den es eigentlich bräuchte. Vor allen den Teilnehmern, die noch relativ am Anfang stehen, hätten entsprechende Praxisbeispiele und die Darlegung der Möglichkeiten und Notwendigkeiten sicherlich weitergeholfen. Es zeigte sich wieder, dass es keine Pauschalrezepte zum Einstieg in die Social Media Nutzung sowie für das kontinuierliche Social Media Engagement gibt. Jedes Unternehmen braucht individuelle Lösungen, welche die Unternehmensziele stützen.

Die Möglichkeiten, welche die sozialen Medien bieten, werden von den Organisatoren sowie auch den Teilnehmern eher selten genutzt: Während der Veranstaltung waren rund ein bis drei Prozent der Teilnehmer in Foursquare eingecheckt – auf der Twitterwall blieb es eher ruhig. Das Feedbackformular der Veranstalter können die Teilnehmer sehr klassisch als PDF herunterladen, ausdrucken und zurückfaxen (!).

Ein Wunsch noch für die nächste SMC in München: Zu viele Vorträge starten mit an dieser Stelle sinnbefreiten, allgemeinen Einleitung in das Wesen der Kommunikation via Social Media Kanäle. Das sollte den Einführungsvorträgen vorbehalten sein.  Hier wäre eine bessere Abstimmung der Vorträge seitens der Veranstalter hilfreich.  Dann wäre mehr Raum für die wesentlichen Inhalte.

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Kommentar (1)

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