Content-Marketing oder “die Sucht nach guten Inhalten“ – Recap Content Marketing Conference 4.0 in Köln

 

Liquid and Linked ist nicht etwa eine urbane Trenddroge und Bannerblindness nicht die Folge eines schlechten Trips. Trotzdem war Content-Konsum das treibende Thema bei der diesjährigen Content Marketing Conference 4.0. An zwei Tagen ging es darum herauszufinden, wie Unternehmen Kunden von ihrer Marke und von ihrem Produkt abhängig machen könnten. Content-Marketing bietet dafür jede Menge Möglichkeiten, aber es gilt einiges zu beachten: Die richtige Dosierung und die Qualität des Stoffes sind entscheidend, denn berauschender Content-Kick und Lethargie des Kunden liegen oftmals nah beieinander.

 

Content-Marketing-Conference 2014

Die CMC in der Kölner Wolkenburg. (Quelle: explido)

Die Ansätze für Content-Marketing sind vielfältig und eigentlich gibt es nur eine Regel: Ob journalistische Premium-Texte auf Papier, innovatives Video-Marketing oder SEO-Content im Web – langweilig darf es nicht sein. Und das nahmen sich auch die Speaker der CMC zu Herzen und boten den Konferenz-Besuchern ein lehrreiches, wie auch unterhaltsames Programm.

 

Erzähl´ mir eine Geschichte: Storytelling im Newsroom

„Make things people want“: Tobias Dennehy von der Siemens AG erklärt in der Keynote, was für ihn gelungenes Content-Marketing bedeutet. Der Corporate Story Architect baut Geschichten.

In einem neu konzipierten Siemens-Newsroom arbeitet eine ganze Kreativ-Brigade an der Entwicklung neuer Stories. Das erste Projekt kann sich sehen lassen: Dokumentarfilmer erzählen Geschichten von Menschen, die in irgendeiner Form von Siemens-Produkten profitiert haben. Abseits von Waschmaschinenwerbung entstanden so zahlreiche Kurzgeschichten. Beispielsweise über James Richter, der in Long Island Weihnachtsdeko aufbaut, um Geld für ein Hilfsprojekt zu sammeln. „Hochspannungs-Gleichstromübertragungstechnologie“ wird nicht erwähnt – die emotionale Story bietet einen viel besseren Zugang zu dem Produkt.

Die Grundvoraussetzung für jegliches Content-Marketing ist für Dennehy allerdings ganz unemotional: ein gutes Produkt. Denn bei einem schlechten Produkt nütze auch das beste Content-Marketing nichts.

 

Von Content-Krusten und crispy Content

Apropos gute Produkte: Was machen eigentlich Unternehmen, dessen Produkt so spannend ist wie Klopapier? Vielleicht hilft es ja, den Kunden mit massenhaft Bannerwerbung zu befeuern? „Nein“, sagt Eduard Klein, Leiter von content-marketing.com.

Klein empfiehlt, „verkrustete Denkmuster aufzubrechen“ und bringt den Zero Moment of Truth (ZMOT) ins Spiel, der im traditionellen Marketingmodell irgendwo zwischen der ersten Stimulation durch Werbung und dem First Moment of Truth stattfindet, wenn sich der Kunde im Shop mit einer Auswahl an unterschiedlichen Produkten konfrontiert sieht. Dazwischen wird aus Lean Back (zurücklehnen und von Werbung berieseln lassen) Lean Forward: Der Konsument „lehnt sich nach vorne“ und recherchiert gezielt im Internet. Im ZMOT gilt es daher, ihn in seiner Buyer´s Journey durch nützliche Informationen abzuholen.

Die Info-Vermittlung müsse aber snackable, also leicht greifbar, sein und die Aufmerksamkeit innerhalb von 2 bis 8 Sekunden auf sich ziehen – sitzt die Story dann nicht, kann man sich mit dem Content-Konzept auch den Allerwertesten abwischen.

 

Der Content des Volks: Wagen und Wagnisse

Sind also Content-Marketing-Strategien für den A…bfalleimer, wenn der Content nicht schnell genug konsumiert werden kann? Judith Wilhelm sagt „Nein“ und setzt auf Entschleunigung. Die Leiterin der Online-Kommunikation bei VW präsentiert die Content-Organisation rund um Das Auto.Magazin.

Sowohl in einer Print- als auch einer Online-Variante bietet es jede Menge Hochglanz-Lesestoff für Autointeressierte. Für die unterschiedlichen Märkte hält Wilhelm eine Modul-Lösung bereit: Abhängig von ihren Zielgruppen können die Länder ihre Ausgaben aus verschiedenen Artikeln zusammenstellen und Das Auto.Magazin. sich so auch international „aus einem Guss“ positionieren.

Besonders nah am Menschen will VW sein. User Generated Content sei aber nicht geplant – der Premium-Charakter gehe so verloren. Ist das dann überhaupt Content Marketing oder nicht eher Corporate Publishing? Erste Versuche zur Begriffsdefinition werden unternommen: Die Grenzen seien aber fließend.

 

Bedeutungsschwanger: Nutzerorientierter Content bei der Schwenniger Krankenkasse

Wer krank ist, geht zum Arzt, wer Fragen hat, ins Internet: Ingo Hermann von der Schwenninger Krankenkasse macht sich den Wissenshunger der Kunden zunutze und füttert Ratsuchende mit Antworten beispielsweise rund um das Thema Gesundheit und Schwangerschaft.

Das neu aufgesetzte Portal babyharmonie.de berät, wie Frauen schneller schwanger werden, wann ihre fruchtbaren Tage sind und wie man in der Schwangerschaft gesund lebt. So könne man die Zahl der Frühgeburten verringern – und mit Content-Marketing Geld sparen.

Hermann hat aber auch keine Angst über Misserfolge zu sprechen. Die babyharmonie-Facebook-Seite war eine Fehlgeburt und wurde mit nur 47 Fans wieder eingestellt: Die Frauen mit Kinderwunsch wollten sich wohl nicht als solche outen – wer weiß, ob der Chef nicht mitliest?!

 

Kult, Content, Kohle: Wie eine über 60-jährige Ikone die Kassen füllt

Der zweite Tag begann mit Liebe: Nichts anderes ist für Frank Wolfram (Agentur Geometry Global) der VW-Bulli, der 1947 das Fließbandlicht erblickte. Da dürften viele mit dem Chief Technologie Officer von EMEA einer Meinung sein, denn die Suchanfragenanalyse zeigt: Das Interesse an dem kultigen Kastenwagen ist ganzjährig-langjährig konstant. Dieses Interesse galt es in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wolfram bringt derzeit auf der VW-Plattform eine Content-Marketing-Strategie ins Rollen, die abgeht wie SuperPlus im T1-Tank: In einer Timeline lesen Historienkundige oder solche, die es werden wollen die Fahrzeuggeschichte nach. Ein Online-Magazin steuert all die charmanten Hippie-Surf-Grill-Stories in die Bulli-Community hinaus, wo sie gelesen, geteilt und ergänzt werden können. Für Events und Services steht die Unternehmens-Website zur Verfügung.

Der VW-Bulli lebt so auch über seinen „Tod“ hinaus weiter: Im Dezember 2013 ging in Brasilien nämlich der letzte T2 vom Band. Der liebevoll arrangierte Content wird Bastler und Nostalgiker darüber hinwegtrösten.

 

Veni, vidi, Video? Der Siegeszug des bewegten Bildes

Videokonsum sei im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 30% gestiegen, um 300% der Videokonsum über mobile Endgeräte: Peter Körner, Business Developer von Brightcove, präsentiert in seinem Vortrag über effektives Video-Content-Marketing das ganze Potential des großen Bruders der Fotostrecke – und das ist weit mehr als der Youtube-Kanal.

Im Gegensatz zur zweitgrößten Suchmaschine der Welt bieten andere Streaming-Dienste nämlich viele eigene Features: Schrift, Layout, Videogröße und Targeting können individuell an das Unternehmen angepasst werden. Außerdem läuft man bei Videos, die nicht bei Youtube eingebunden sind, nicht so leicht Gefahr, dass der User durch andere Videos abgelenkt wird oder ihm eine billige Parodie in der Verweisspalte die Schau stiehlt.

An Beispielen für die vielen Möglichkeiten mangelt es Körner nicht: Von der Video-Stamp der australischen Post, über Kapitelmarken bei Liz Earle mit eingeblendeten Produkten bis hin zum Videoshopping bei Joyus mit authentischer Sharing-Funktion inklusive Produkteinbindung (teilen Sie ein Video auf Facebook – es wird samt Produktvorschlägen eingebunden), gibt es viele Potenziale, die Youtube einem nicht bietet.

Doch wer der beliebten Video-Plattform jetzt komplett den Rücken kehren will, dem sei gesagt: Was dem Google-Spross an Charme fehlt, macht er mit seiner ungeheuren Reichweite wett – die man laut Körner durchaus für Awareness-Zwecke nutzen sollte.

 

Interaktiver Austausch und Diskussion statt Frontalbeschallung

Was im Content-Marketing zum guten Ton gehört, funktioniert auch bei der größten deutschen Konferenz zum Thema Content: Die Speaker verzichten darauf, Ihre Vorträge vorzubeten und gestalten die beiden Tage nach dem Prinzip “Mitreden statt nur zuhören”. Anschauliche Beispiele, unkonventionelle Eselsbrücken und Speed-Networking durchbrechen die eindimensionale Wand an Power-Point-Präsentationen.

René Kühn, Geschäftsführer der Contilla GmbH, spielt zur Veranschaulichung von Interaktivität Quizduell mit den Konferenzbesuchern und erreicht 3 von 3 Punkten. Von Ralf Lürsdorf, Leiter des internationalen Musikmarketings der Deutschen Telekom, gibt es Electronic Beats auf die Ohren. Und Maik Rico y Gomez, Geschäftsführer von Park7, beleuchtet Content-Marketing als das vernachlässigte Scheidungskind von Marketing und Vertrieb.

In der Podiumsdiskussion ging es zurück an den Anfang: Sprichwörtlich. War schon die Bibel Content? Und ist Content-Marketing die neue Religion im Leben eines jeden Werbetreibenden? Wenn dem so wäre, gebe es einen neuen Gott – nämlich den Kunden. Denn er entscheide, ob etwas ins Himmelreich der Marketer emporgehoben wird oder im ewigen Nirvana verschwindet.

 

CMC 2014 Köln

Content-Marketing: Die Eierlegende-Wollmilchsau? (Quelle: explido)

 

Fazit: Content-Marketing ist mehr als ein modisches Buzzword. Auch wenn es keine klare Definition und auch kein Patent-Rezept dafür gibt, sollten informative, unterhaltsame, innovative, verlässliche und interessante Inhalte ein existentieller Bestandteil Ihres Marketing-Mixes sein. Wenn der Kunde das richtige Look-and-Feel-Erlebnis mit Ihrem Content hat, wird es bei ihm in regelmäßigen Abständen zu Entzugserscheinungen kommen – ein treuer Kunde ist geboren.

Nach der Konferenz sind nicht alle Fragen beantwortet und nicht alle Antworten befriedigend, trotzdem sind die Teilnehmer überzeugt, dass Content-Marketing – richtig zugeführt – Glückshormone verursacht. Und auch wenn das jetzt einen Euro (oder zwei?) für die Floskelkasse bedeutet, ist man sich einig: Content ist King: Buzzta!

 

Weitere Recaps:

http://www.trustagents.de/blog/content-marketing-conference-recap-2014

http://www.seo-trainee.de/recap-zur-content-marketing-conference-4-0-koeln/

http://www.dim-marketingblog.de/2014/03/06/content-marketing-conference-2014-recap-tag-1/

http://maelroth.wordpress.com/2014/03/06/impressionen-content-marketing-conference-in-koln/

http://blog.avenit.de/beitrag/2014/03/11/das-recap-zur-content-marketing-conference-2014/

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Kommentar

3 Antworten auf Content-Marketing oder “die Sucht nach guten Inhalten“ – Recap Content Marketing Conference 4.0 in Köln

[…] Explido – Die Sucht nach guten Inhalten […]

[…] Handwerkszeug zu beherrschen, sprich journalistische Formate. Die Agentur explido gutiert in ihrem Recap das lehrreiche und unterhaltsame Programm der Konferenz, das vor allem durch die Speaker getragen […]

[…] Explido – Die Sucht nach guten Inhalten […]

Facebook
Twitter
YouTube
Google Plus
© 2013 explido GmbH & Co. KG | Datenschutz